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Frauenrechte und Fairer Handel

Veröffentlicht am: 2. März 2016|Broschüren & Print, Publikation|Themen: |

Fairtrade und Menschenrechte – So stärkt fairer Handel Kinder- und Frauenrechte

(2.3.2016) In dieser Handreichung hat FAIRTRADE Österreich gemeinsam mit WIDE und der Kindernothilfe zentrale Bezüge zwischen dem Ansatz der ökonomischen Stärkung benachteiligter Bevölkerungsgruppen und den Menschenrechten herausgearbeitet.

Publikation „Fairtrade und Menschenrechte“ (2016)

Obwohl vielfach verletzt, setzen Menschenrechte doch Maßstäbe für die Beurteilung realer Lebenslagen, bilden einen Referenzpunkt für Betroffene und schaffen die Möglichkeit konkreter Zielsetzungen für eine Verbesserung der Situation.

Zur Umsetzung der Menschenrechte müssen die Geschlechterverhältnisse berücksichtigt werden. Ist das nicht der Fall, werden politische Lösungen nicht die beabsichtigten Wirkungen erzielen. Immer noch sind Frauen und Mädchen besonders von Armut und Hunger betroffen, obwohl sie auf dem Land die Hauptverantwortung für die Versorgung der Familie stellen und den größten Teil bäuerlicher Subsistenzarbeit leisten. Im städtischen Umfeld stellen sind laut ILO die Hälfte aller lohnarbeitenden Frauen im informellen (prekären) Sektor tätig, in Südostasien und Subsahara-Afrika liegt ihr Anteil bei 80 Prozent.

Mehr Beteiligung von Frauen in FAIRTRADE-Organisationen

Frauen haben einen wichtigen Anteil an der Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten. Der Anteil von Frauen in FAIRTRADE-Produzentenorganisationen ist bislang jedoch geringer als der Männeranteil. Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe. Häufig stellen gesetzliche, soziale und kulturelle Normen eine Barriere für die Partizipation von Frauen dar. Beispielsweise kann die Mitgliedschaft in einer Kooperative von Landbesitz abhängen. Frauen besitzen meist viel weniger Land als Männer und werden somit ausgeschlossen. Ein weiterer Grund ist, dass von Frauen häufig erwartet wird, dass sie unbezahlt Arbeit im Haushalt übernehmen. Hierdurch bleibt weniger Zeit für eine Beteiligung in Produzentenorganisationen. Der Abbau solcher Barrieren stellt ein zentrales Anliegen für FAIRTRADE dar.

FAIRTRADE-Standards sorgen für mehr Gendergerechtigkeit

Die FAIRTRADE-Standards, die sich an den ILO-Konventionen orientieren, leisten einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Zu den FAIRTRADE-Standards zählt etwa der Mutterschutz, der beispielsweise Entlassungen im Falle einer Schwangerschaft verhindert (ILO-Konvention 3). Insbesondere beziehen sich die FAIRTRADE-Standards zudem auf das Verbot der Diskriminierung (ILO-Konvention 111), das es Kleinbauernkooperativen und ihren Mitgliedern verbietet auf Grund des Geschlechts zu diskriminieren, etwa in Bezug auf Mitgliedschaft, Zugang zu Trainings, Lohn, sowie Kündigung. Einer aktiven Beteiligung von Frauen und ihrer Mitsprache in Entscheidungsgremien wird hingegen besondere Beachtung geschenkt.

Herausforderungen

Der faire Handel setzt sich für eine größere Sichtbarkeit der Rolle der Frau ein, stärkt die aktive Beteiligung von Frauen in Kooperativen und trägt zu einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation bei. Frauenrechte werden bei FAIR-TRADE aktiv gefördert. Jedoch liegt weltweit eine Gleichstellung von Männern und Frauen noch weit entfernt. Die Missachtung von Frauenrechten stellt eine komplexe Problematik dar. Der faire Handel alleine kann nicht historisch gewachsene Strukturen und Geschlechterrollen eines Landes verändern. Ein Bewusstseinswandel, hin zu einer Gleichberechtigung von Männern und Frauen muss von verschiedenen Seiten gefördert werden. FAIRTRADE legt deshalb Unternehmen, den Regierungen in den jeweiligen Ländern, sowie NGOs nahe, Produzentenorganisationen dabei zu unterstützen, Geschlechtergleichheit zu thematisieren und anzugehen. Regierungen können beispielsweise Frauen bei einem besseren Zugang zu Land oder Krediten unterstützen. Wichtig ist vor allem die Vernetzung verschiedener Akteure. In diesem Prozess erachtet FAIRTRADE die Selbstbestimmung und Eigeninitiative der Produzentengruppen als besonders entscheidend. Im Zentrum aller Anstrengungen steht dabei die Perspektive der Frauen selber. So sollen Möglichkeiten geschaffen werden, dass Frauen ihr Leben so leben können, wie es ihren Vorstellungen entspricht.

Publikation „Fairtrade und Menschenrechte“ (2016)

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