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Neue grüne Jobs im Care-Sektor schaffen!

Veröffentlicht am: 28. Mai 2020|Presseaussendung, Publikation|Themen: |

Internationale Corona-Krisenbekämpfung braucht gendergerechte Investitionen

WIDE-Presseaussendung

(Wien, 28.5.2020) WIDE, das entwicklungspolitische Netzwerk für Frauenrechte und feministische Perspektiven, begrüßt den Willen der österreichischen Bundesregierung zur Erhöhung des Budgets für Entwicklungszusammenarbeit. Die Erhöhung ist mehr als überfällig, und WIDE erwartet, dass die angekündigte Erhöhung auch hält! Denn die Entwicklungszusammenarbeit steht nur als „Ermessensausgabe“ im Budget und ist daher erfahrungsgemäß kürzungsgefährdet. Darüber hinaus müssen sehr rasch weitere Mittel zur internationalen Krisenbekämpfung zur Verfügung gestellt werden.

Ein erhöhtes EZA-Budget sollte zu einem guten Teil über NGOs kanalisiert werden, die mit besonders benachteiligten Bevölkerungsgruppen, darunter Frauen*, in Ländern des globalen Südens arbeiten.

Denn die Corona-Krise bedeutet einen massiven Backlash für Frauen*:

  • Schlecht ausgestattete Gesundheitseinrichtungen führen zur Verlagerung der Pflege kranker Menschen in die Haushalte, was Frauen* mit zusätzlicher Care-Arbeit belastet;
  • Frauen* müssen wegen der Schließung von Schulen mehr Kinderbetreuung leisten; zugleich wirkt sich diese Situation negativ auf die Bildungschancen bereits benachteiligter Kinder aus;
  • Ausgangssperren verstärkten vielerorts Stress und häusliche Gewalt.

Eine Pandemie mit globaler Wirtschaftskrise im Gefolge braucht globale und weitsichtige Antworten. Diese müssen gendergerecht ausgestaltet sein; sie müssen den Gesundheits-, den sozialen und den Care-Sektor einschließlich Gewaltschutz stärken und dürfen nicht zur Rückkehr in eine problematische – umwelt- und klimaschädliche – „Normalität“ mit weiter wachsender sozialer Ungleichheit führen.

Es braucht Programme, durch die der öffentliche Sektor gestärkt und „grüne Jobs“ in allen Bereichen ermöglicht werden. „Grüne Jobs“ sind dabei nicht nur im Sinn von Umwelttechnologien zu denken, sondern auch im Bereich personenbezogener Dienstleistungen im öffentlichen Gesundheits-, Bildungs- und Care-Sektor. Im Gesundheits- und Care-Bereich arbeiten zu 70% Frauen*, davon rund die Hälfte unbezahlt. Der Care-Sektor trägt maßgeblich zur Lebensqualität aller Menschen bei; hier wird das Fundament für die Bildungschancen von Kindern gelegt; personenbezogene Dienstleistungen verbrauchen kaum Ressourcen und sind daher umweltfreundlich.

Die Corona-Pandemie hat den Care-Sektor – und dabei die Arbeit vieler Migrant*innen – aus dem Schatten geholt und seine elementare gesellschaftliche Bedeutung sichtbar gemacht. Ein deutlich höherer Einsatz öffentlicher Mittel für diesen arbeitsintensiven, grünen, weiblich dominierten Bereich ist notwendig, auch im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Faire Entlohnung und bessere Rahmenbedingungen – mehr Zeit bringt höhere Qualität für die betreuten Personen – sind gefordert. Investitionen in den Care-Sektor kommen Frauen* mehrfach zugute: durch die Entlastung von unbezahlter Arbeit, mehr Jobs und höhere Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt.

In der Krisensituation müssen Migrant*innen, die vielfach prekär arbeiten und nun ebenfalls ihre Arbeit verloren haben, besser unterstützt und in soziale Programme einbezogen werden. Die Gelder, die Migrant*innen in ihre Heimat zurückschicken, machen global mehr als das Doppelte der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit aus und kommen vielfach Frauen* mit Kindern und anderen abhängigen Personen im Haushalt zugute. Die Weltbank rechnet für heuer mit einem Rückgang dieser Gelder um 20%.

WIDE fordert, dass ausreichend Mittel zur Krisenbekämpfung für die Länder des globalen Südens über internationale Institutionen und die EU zur Verfügung gestellt werden, und zwar ohne die bisherigen (IWF-/Weltbank-) Konditionalitäten wie Sparprogramme, Privatisierung und Liberalisierung, die den öffentlichen Sektor in der Vergangenheit massiv geschwächt haben.

WIDE begrüßt den jüngsten Vorschlag der EU-Kommission zu einem starken Krisenbudget basierend auf EU-weit eingehobenen Steuern auf CO2-Emissionen und einer Digitalsteuer auf die Gewinne transnationaler Konzerne. Dieses Budget sollte auch eine verbesserte Ausgangsbasis für die künftige EU-Entwicklungszusammenarbeit und den damit verbundenen Gender-Aktionsplan sein.

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Anm.: Wir benutzen die Schreibweise *, um auch Geschlechtsidentitäten, die in dem binären Begriffspaar „Mann-Frau“ nicht abgebildet sind, zu berücksichtigen.

Fotos: Unsplash

 

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