Gender & Budget für Entwicklungszusammenarbeit 2027/28
(23.4.2026) WIDE hat Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS), Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) in einem Brief dazu aufgefordert, die Mittel für entwicklungspolitische und internationale humanitäre Hilfe im Budget 2027/28 nicht weiter zu kürzen, sondern zumindest wieder auf das Niveau von 2024 zu bringen!
Aus dem WIDE-Schreiben:
„Als Netzwerk für Frauenrechte und feministische Perspektiven in der Entwicklungspolitik setzt sich WIDE seit vielen Jahren dafür ein, dass Frauen als Zielgruppe und Partner*innen der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) anerkannt werden und ihre spezifischen Bedürfnisse, wie sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, oder das Recht auf ein gewaltfreies Leben, in der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe berücksichtigt werden. Vieles ist in den letzten Jahren gelungen, so ein expliziter Fokus auf Geschlechtergleichstellung in der Entwicklungszusammenarbeit von NGOs in afrikanischen Partner-Ländern.
Budgetkürzungen bringen erfahrungsgemäß tiefe Einschnitte bei den gleichstellungsorientierten Programmen und Projekten mit sich. Als Beispiel möchten wir die Sparpolitik im Gefolge der Finanzkrise 2008/09 nennen, wo es zu massiven Kürzungen kam, die überproportional EZA-Projekte mit Geschlechtergleichstellungskomponenten betrafen. So fiel der Gender-Mainstreaming-Anteil bei von der Austrian Development Agency (ADA) geförderten Projekten und Programmen von 72% im Jahr 2009 auf 55% 2010 und blieb in den Folgejahren niedrig; erst 2016 wurde wieder das Niveau von 2009 erreicht. Der Anteil von Maßnahmen mit spezifischen Gleichstellungszielen sank parallel dazu zwischen 2011 und 2017 auf unter 10% ab und verbesserte sich erst ab 2018 substanziell (vgl. ODA-Berichte auf www.entwicklung.at).
Die multiplen Krisen treffen vulnerable Bevölkerungsgruppen, darunter überwiegend Frauen*, die oft auch aufgrund anderer Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit oder Behinderungen diskriminiert werden, im Globalen Süden am härtesten – angefangen bei der Klimakrise, Kriegen und Vertreibungen bis zur aktuellen Energiekrise, die in kürzester Zeit zu enormen Preissteigerungen bei Lebensmitteln im Globalen Süden geführt hat und weiterhin führen wird. In jeder Krisensituation nimmt auch geschlechtsspezifische Gewalt zu – das ist eine langjährige internationale Erfahrung von Frauenorganisationen.
(…)
Es ist strategisch wichtig, im Zusammenspiel mit den anderen EU-Staaten und EU-Institutionen solidarisch zu handeln und einen Beitrag dazu zu leisten, dass internationale humanitäre Krisen bewältigt werden und friedliche, demokratische Verhältnisse geschaffen werden, in denen Frauen und Mädchen ihre Menschenrechte wahrnehmen und ausüben können.
Das Außenministerium sollte alles daransetzen, das Budget für Entwicklungszusammenarbeit und den Auslandskatastrophenfonds zumindest wieder auf das Niveau von 2024 zu bringen. Das bedeutet eine Dotierung von 139 Mio. EUR für die Austrian Development Agency und 80 Mio. für den Auslandskatastrophenfonds.
Wir fordern Sie dazu auf, in den Budgetverhandlungen für eine entsprechende Dotierung des Budgets für Entwicklungszusammenarbeit und des Auslandskatastrophenfonds zu sorgen!“
WIDE-Brief an Bundesministerin Beate Meinl-Reisinger als pdf
